30.10.2008 ACE erteilt 'Lektion Winterreifen'
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Auch wenn die Temperaturen in den nächsten Tagen wieder steigen sollten, der Wechsel
auf Winterreifen ist jetzt ein Muß, sagt der ACE Auto Club Europa.
In einer "Lektion Winterreifen" begründete der Club am Donnerstag in Stuttgart,
wie wichtig eine geeignete Bereifung zur Gewährleistung der Fahrsicherheit ist.
Woran sind Winterreifen zu erkennen?
Äußere Merkmale, die auf Winterreifen hinweisen, sind: M+S-Kennzeichnung,
Schneeflockensymbol und Lamellen. Eine gesetzliche Zulassungsvorschrift für
die Beschaffenheit von Winterreifen existiert aber nicht.
Welche Eignung müssen Winterreifen haben?
Korrekte Profiltiefe: Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt europaweit bei 1,6
Millimetern. Doch es ist riskant, Winterreifen bis zur gesetzlichen Mindestprofiltiefe
abzufahren. Der Reifen kann seine Wintertauglichkeit verlieren, wenn die Profiltiefe
4 Millimeter unterschreitet.
Gilt das auch in Österreich?
In Österreich ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Radial-Winterreifen mindestens
4 Millimeter Profiltiefe haben muss und ein Diagonalreifen 5 mm.
Unterhalb von 4 Millimetern sind die Lamellen, die die Griffkanten des Reifens
vergrößern, nicht mehr vollständig vorhanden. Dadurch verliert der Reifen eine der
wesentlichen Merkmale eines Winterreifens. Oft ändert sich auch die Zusammensetzung
der Gummimischung, wenn man näher an die Mindestprofiltiefe kommt. Um die
Fahreigenschaften des Winterreifens zu verbessern, liegt unterhalb der
Laufstreifenmischung eine härtere Mischung, die für Fahrstabilität sorgt. Wenn
diese härtere Mischung erreicht wird, weist der Winterreifen deutlich schlechtere
Winter- und Nässeeigenschaften auf.
Welche Bedeutung hat die M+S-Kennzeichnung (auch M/S und MS)?
Diese Kennzeichnung darf jeder Hersteller an seinen Reifen anbringen, ohne dass es dafür
rechtliche Grundlagen gibt. M+S steht dabei für Matsch und Schnee, oder auch englisch
für Mud and Snow. In den 50er Jahren begann man damit, grobstolligere
Profile für Matsch und Schnee mit diesem Zeichen zu kennzeichnen. Inzwischen
gibt es Länder, in denen nahezu jeder Reifen diese M+S-Kennzeichnung trägt, egal,
ob Winterreifen oder nicht. Die Aussagekraft über die Wintereigenschaften ist daher
begrenzt.
Was hat es mit dem Schneeflockensymbol auf sich?
Hinter dem Schneeflockensymbol steht eine vereinheitlichte Prüfung mit definierten
Kriterien. Hier wird der Reifen mit einem standardisierten Reifen verglichen. Schafft
der Reifen bessere Werte als der Vergleichsreifen, erhält er das Schneeflockensymbol.
Diese Prüfung wurde nötig, nachdem in den USA fast ausschließlich Reifen mit M+S- Kennung
angeboten wurden und die Verbraucher nicht mehr unterscheiden konnten, ob ein Reifen
Wintereigenschaften aufwies, oder nicht. Seit etwa fünf Jahren setzt sich das
Schneeflockensymbol auch in Europa immer mehr durch und steht mittlerweile als
eine Art Gütesiegel für Winterreifen. Ein mit einem Schneeflockensymbol ausgezeichneter
Reifen befindet sich in der Regel im oberen Drittel der Leistungsfähigkeit von Winterreifen,
wie Tests immer wieder belegen.
Warum kommt es so auf die feinen wellenartigen Lamellen an?
Die feinen Profileinschnitte sorgen für den gewünschten Verzahnungseffekt mit der
Fahrbahnoberfläche, indem sie zusätzliche Griffkanten bilden. Winterreifen weisen
bis zu 2000 Lamellen auf und unterscheiden sich dadurch schon auf den ersten Blick
von Sommerreifen, die entweder keine oder nur wenige Einschnitte in ihren Profilklötzen
haben. Neben den meist wellenförmig ausgeführten Lamellen gibt es auch wabenförmige oder
gerade Lamellen. Hier hat jeder Hersteller sein eigenes Profil entwickelt. Allen gemeinsam
ist die Erhöhung der Kantenlänge und damit der bessere Grip auf die Fahrbahnoberfläche.
Was heisst "Spezielle Laufflächenmischung"?
Winterreifen haben eine spezielle Laufflächenmischung, die dafür sorgt, dass das
Gummi auch bei tieferen Temperaturen nicht verhärtet. Unterschiede zwischen Sommer-
und Winterreifenmischungen können Experten anhand der Härte der Laufstreifenmischung
erkennen. Für Laien sind die Unterschiede kaum zu sehen. Erst im Vergleich fallen
Unterschiede auf, wenn man zum Beispiel mit dem Fingernagel auf das Gummi drückt.
Was ist von "Ganzjahresreifen" zu halten?
Neben reinen Sommer- und Winterreifen gibt es auch so genannte Ganzjahresreifen
(All Season). Diese Reifen stellen einen Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen
dar. Auch Ganzjahresreifen können ein Schneeflockensymbol tragen, eine M+S Kennung haben
sie alle.
Droht Strafe bei Sommerreifen im Winter?
In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist verankert, dass die Ausrüstung von
Kraftfahrzeugen "an die Wetterverhältnisse anzupassen" ist. Demnach muss jedes Auto
über eine "geeignete Bereifung" verfügen. Wer hiergegen verstößt, muss mit einem
Verwarnungsgeld von 20 Euro rechnen. Bei einer Behinderung des Straßenverkehrs sind
40 Euro sowie ein Punkt in Flensburg fällig. Diese StVO-Vorschrift ist entgegen
anderslautender Behauptungen aber nicht gleichbedeutend mit einer gesetzlichen
"Winterreifenpflicht". Die gibt es so nur in Österreich.
Wie lange halten Winterreifen?
Auch wenn die Mindesprofiltiefe noch nicht unterschritten ist: Spätestens nach
zehn Jahren endet die Lebensdauer von Winterreifen, sie haben dann ihre besondere
Haftungseigenschaft verloren. ACE-Tipp: Schon beim Kauf neuer Winterreifen auf das
Herstellungsdatum achten. Aufschluss darüber gibt die DOT-Nummer auf der Reifenflanke.
Sie benennt an erster Stelle die Kalenderwoche und in den zwei Endziffern das
Herstellungsjahr.
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